Daniel Woodrell
In Almas Augen
Roman
Aus dem Englischen von Peter Torberg

Alma DeGeer Dunahew hat nach dem Tod ihrer Schwester Ruby nur noch eines im Sinn: Sie muss herausfinden, wer an jenem schicksalhaften Abend im Sommer 1929 in ihrer kleinen Heimatstadt in den Ozarks von Missouri die Arbor Dance Hall in die Luft gejagt hat. Daniel Woodrell zeichnet in diesem Roman mit feiner Feder ein Sittenbild der amerikanischen Gesellschaft kurz vor der Großen Depression.

Man kann sie sich unterschiedlicher nicht vorstellen: die hübsche, verführerische Ruby, die sich von Liebhabern gekaufte Hüte keck aufsetzt, die Beine übereinander schlägt und auf einem Mäuerchen sitzend an einer Zigarette zieht; und Alma, die ihr Leben lang als Hausmädchen gearbeitet hat, der mit zwanzig schon die Knöchel an den Händen anschwellen, die drei Söhne zur Welt bringt, von denen ihr nur einer bleibt, deren Mann bald dem Alkohol verfällt. Eine übergroße Liebe verbindet die beiden Schwestern, auch über Rubys Tod hinaus. Glencross, der Bankier der Kleinstadt, Almas Arbeitgeber und Rubys Liebhaber, der Ruby schon vor ihrem Tod so schmerzlich vermisst, dass er angetrunken eine folgenschwere Dummheit begeht, vollendet die Trias der Hauptfiguren in diesem Roman. Eingestreut sind kurze Blicke auf andere Personen, die an jenem Abend tanzend ihr Leben lassen: Porträts, die mit wenigen Strichen eindrucksvoll skizziert sind. 42 Tänzer sterben bei der Explosion. Als die Nachforschungen eingestellt werden, beginnt Alma, sich auf eigene Faust umzuhören. Sie zahlt dafür einen hohen Preis. Aber Alma kann nicht, will nicht und wird nie aufhören nach der Wahrheit zu fragen. Erst Almas Enkel wird aufschreiben, was sie herausgefunden hat.

Woodrells Sprache in diesem Roman ist herb, nüchtern und dann doch auch wieder  poetisch. Man meint, die verschiedenen Charaktere der Schwestern in diesen sich reibenden und gerade deshalb wunderbar ergänzenden Tonfällen wiederzuerkennen. Manchmal kommt man dem Tempo des Erzählens kaum nach, manchmal scheint die Zeit still zu stehen. Ein niemals abreißender Film und schwarzweiße Momentaufnahmen aus Almas Erinnerungen, die so lebendig wirken, als sei alles erst gestern geschehen. 2014 wurde der Roman mit dem Chicago Tribune's Heartland Prize for Fiction ausgezeichnet.

Liebeskind
Hardcover: 192 Seiten, ca. € 16,90
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DAS IST DRIN
Portrait einer US-Kleinstadt
Tragödie von 1929
poetische Bilder
 
 
 

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