Ludwig Laher
Überführungsstücke
Roman

Oskar Brunngraber ist – nicht ganz freiwillig – Justizverwaltungsinspektor in einer Asservatenkammer und verwaltet dort die Beweisstücke unzähliger krimineller Handlungen. Einem imaginären Interviewpartner steht er in diesem Buch Rede und Antwort, ohne dass er dabei sein Gegenüber je in die Verlegenheit bringen würde, sprechen zu müssen. Denn er erzählt ohne Unterlass und unterhält dabei sein Publikum aufs Beste.
Um es gleich vorweg zu sagen: Dieser Brunngraber war mir von der ersten Seite an extrem sympathisch. Stellen Sie sich einen Verwalter der Asservatenkammer vor, der mir nix dir nix ein Tütchen mit Hanfsamen in das unter seinem Bürofenster gelegene Biotop auf der Rückseite des Justizzentrums entleert und sich an der Vorstellung erfreut, dass in ein paar Monaten jemandem beim Vorbeigehen auffallen wird, dass da etwas nicht stimmt ... So einen müsste man doch mal kennenlernen, habe ich mir gedacht und weitergelesen. Das Ergebnis? Ein höchst vergnügliches Wochenende auf der Couch mit einem Kabarettisten erster Klasse.
Jetzt schauen Sie sich das Cover mal genau an. Jedes der Überführungsstücke hat eine Geschichte. Das Blaulicht zum Beispiel hat sich ein Porschefahrer im Internet bestellt, um noch ein bisschen schneller durch die Innenstadt fahren zu können, als er das bisher getan hat. Brunngraber erzählt so eine Anekdote natürlich viel unterhaltsamer und spannender, als ich das jetzt hier für Sie zusammenfasse. Ich sitze aber auch nicht an Brunngrabers Schreibtisch und arbeite »wie ich Auto fahre, ohne mir überhaupt bewusst zu sein, was ich da gerade tue.« Letzteres erklärt zum Teil, wie dieser Justizverwaltungsinspektor Brunngraber so unglaublich bürokratisch sein kann. Aber es erklärt keinesfalls die Sache mit dem Hanfsamentütchen.
Wie jedes Ding seine zwei Seiten hat, so hat sie auch dieser Mensch Oskar Brunngraber: eine dienstliche und eine private Seite, die er in der zweiten Hälfte des Romans offenlegt. Der Teddybär auf dem Coverbild spielt in seiner Familiengeschichte eine maßgebliche Rolle als Erinnerungsstück. Er gehörte Brunngrabers Vater. Und in der Art, wie sich in der offengelegten Kiste der Überführungsstücke die dienstlichen und die privaten Gegenstände vermischen, so entsteht auch das Bild des Menschen, der da erzählt. Mehr verrate ich nicht. Oder doch. Ein Brunngraber-Zitat noch: »Ich sage immer: Jede Nacht ins Bett gegangen, jeden Morgen wieder aufgestanden. Wunderbar.« Lernen Sie ihn kennen, diesen Brunngraber. Es lohnt sich. Wirklich.

Wallstein
Hardcover: 180 Seiten, ca. € 19,90
E-Book: ca. € 15,99


DAS IST DRIN
Justizverwaltungsinspektor
Brunngraber erzählt

aus seinem Beruf,
von seiner Familie
hochgradig unterhaltsam