Susann Pásztor
Und dann steht einer auf
und öffnet das Fenster

Roman

 

Karla ist 60, und sie weiß ziemlich genau, was sie braucht. Einen Sterbebegleiter jedenfalls eher nicht, auch wenn sie nur noch ein halbes Jahr zu leben hat. Aber Fred Wiener, ehrenamtlicher Hospizmitarbeiter in seinem ersten Einsatz, ist erstaunlich hartnäckig. Der dritte Roman von Susann Pásztor fasziniert wieder mit der ihren Texten eigenen Spannung zwischen nüchterner Sprache und berührenden Inhalten – und dem leisen, unaufdringlichen Humor.

Nicht nur äußerlich sind sie ein ungleiches Gespann: der etwas übergewichtige Fred, gemütlich, alleinerziehender Vater, Angestellter, eher schüchtern. Und Karla mit ihrer direkten, fast schon brüskierenden Art, blass und schmal, lange Haare, Fotografin, Weltenbummlerin, Ex-Hippie.
Als Fred dann endlich einen Draht zu ihr gefunden hat, sie an Weihnachten zusammen mit Klaffki, ihrem Hausmeister, einlädt und zur Überraschung auch Karlas Schwester einbestellt, kommt es zum Eklat. Nur Phil, Freds 13-jähriger Sohn, ist jetzt noch gern gesehener Gast in Karlas Wohnung. Er archiviert ihre Fotosammlung und hat, was Gedichte angeht, einen ähnlich ausgefallenen Geschmack.
Aber dann bleibt Karla im dunklen Aufzug stecken und der schräge Klaffki bestellt Fred ein, weil der so beruhigend wirken kann und weil er ihm eine zweite Chance gönnt. Tatsächlich kommen Karla und Fred wieder ins Gespräch und versöhnen sich – ganz vorsichtig.

Es gibt kein Happy End, wenn von Anfang an feststeht, dass einer aus der Runde sterben wird. Aber Karlas Tod ständig vor Augen leben alle in ihrer Nähe ihr Leben anderes, intensiv, bewusst, so dass der Alltag plötzlich ganz andere Farben, einen ganz anderen Sinn bekommt. Diese Freude am Leben, das ist Karlas Vermächtnis.

Kiepenheuer & Witsch
Hardcover: 286 Seiten, ca. € 20,-
E-Book: ca. € 16,99
Hörbuch: argon, ca. € 19,95


DAS IST DRIN
leben und sterben
und alles gleichzeitig
berührend
unsentimental
humorvoll