Lena Gorelik
Mehr Schwarz als Lila
Roman

Stell Dir mal vor, Du bist 17 und hattest zwei sehr gute Freunde. Und dann hast Du Mist gebaut. Jetzt liegst Du auf Deinem Bett, starrst Astrid an, den Papagei, den Dir Dein Vater zum achten Geburtstag kurz nach dem Tod Deiner Mutter geschenkt hat. Und tust gar nichts.

Wenn sie zusammen sind, Alex, Paul und Ratte, dann spielen sie oft Spiele wie »Stell dir mal vor« oder »Ist mir doch egal« oder »Du wirst dich doch trauen«. Spiele, bei denen die Wahrheit ein Stück weit mitspielt. Und die Wahrheit heißt: sich begegnen, Grenzen überschreiten, das Leben spüren, oder das, was einem gerade als Leben begegnet.
Wie der neue Referendar, der eines Morgens in die Klasse der drei spaziert und sich nicht ans Pult setzt, sondern neben Paul, einfach so. Der sie jeden Morgen zu irgendeinem an die Tafel geschriebenen Wort losschreiben lässt. Fünf Minuten schreiben über »Mut«, »Geschichte«, »Zeit«, »Träne«, egal was, nur schreiben. Einmal lässt er Paul vorlesen. Herr Spitzing heißt er, die drei nennen ihn Johnny.
Er unterrichtet sie in Deutsch und Geschichte und die Klassenfahrt geht diesmal nicht in die Toskana, sondern nach Auschwitz. Schon vor der Fahrt knistert es bei den drei Freunden: Ratte, die eigentlich Nina heißt, hat sich in ein Mädchen aus der Klasse verliebt, das Alex blöd findet. Paul versucht noch was zu retten. Dabei hätte er viel mehr Grund, sauer zu sein. Denn Alex spielt mit Paul, aber er ist nur der Einsatz, mit dem sie Johnny gewinnen will. Und sie riskiert dabei, ihre Freunde zu verlieren.

Sobald ich dieses Buch aufgeschlagen hatte, hatte ich keine Wahl mehr, ich musste lesen, lesen, lesen. Lena Goreliks neuer Roman vibriert. Als wollten alle Songtexte, die in dieser Geschichte auftauchen – ziemlich gute –, raus aus den Buchdeckeln und gesungen werden, jetzt. Als würde der Papagei auf dem Fensterbrett hocken, seine Federn putzen und herunter fielen en miniature Alex in Schwarz mit ihren bunten Socken, Paul, der das blaue Notizbuch wirft, und Ratte auf dem Mofa.

rowohlt Berlin
Hardcover: 255 Seiten, ca. € 19,95
E-Book: ca. € 16,99


DAS IST DRIN
drei Freunde
auf der Suche
nach dem Leben