Dorthe Nors
Rechts blinken, links abbiegen
Roman
Aus dem Dänischen von Frank Zuber

Sonja ist ein Mensch, der Konfrontationen meidet, immer schon gemieden hat. Sie ist von zu Hause fortgegangen, lebt und arbeitet jetzt als Übersetzerin in Kopenhagen. Aber irgend etwas passt nicht. Vielleicht hat sie deshalb beschlossen, mit über 40 den Führerschein zu machen, um frei zu sein und dahin fahren zu können, wohin sie will. Doch auch das ist nicht so einfach. Dorthe Nors springt in ihrem Roman mitten hinein in dieses Frauenleben, das am Ende eine überraschende Wendung nimmt. Ein schönes Buch mit vielen intensiven Bildern, ein Roman, der Mut macht, das eigene Leben genau zu betrachten und dem Zufall eine Chance zu geben.

Flucht kann ein neuer Anfang sein und im Fliehen hat Sonja Übung. Fort von der Mutter, die ihr eine Rolle zugeschrieben hat, der sie nicht gewachsen war; fort von ihrer Fahrlehrerin Jytte, die seit einem halben Jahr für sie die Gänge einlegt, weil Jytte Sonja lieber mit ihren Alltagsproblemen zuschüttet, als ihr das Schalten beizubringen. Doch kaum sind die alten Probleme beseitigt, treten neue an ihre Stelle: der schwedische Autor Gösta, dessen blutrünstige Krimis Sonja nur mit größtem Widerwillen übersetzt; Folke, der Inhaber der Fahrschule, der Sonja jetzt unterrichtet und dessen Hand ein bisschen zu lang auf ihrer Schalthand liegen bleibt. In Gedanken ist Sonja immer öfter in ihrer Heimat in Balling, wo die Singschwäne zu Hause sind, wo sie als Kind schon alle Verstecke rund ums Haus kannte, das Kornfeld, die Traubenkirsche, perfekte Orte, um zu träumen.

Dorthin zieht es sie seit jüngstem wieder mit aller Macht. Ob sie dem nachgeben wird oder nicht, wer weiß? Jedenfalls schafft Sonja es, Folke deutlich die Meinung zu sagen. Und als für ihre Freundin Molly auf dem Weg zum Konzert die Nachrichten auf dem Handy wichtiger sind als sie, steigt Sonja einfach aus der U-Bahn aus und findet zum ersten Mal jemanden, der ihr wirklich zuhört. Mit »Rechts blinken, links abbiegen« hat Dorthe Nors auf der Shortlist des Man Booker International Prize 2017 ihren Platz eingenommen neben Amoz Oz mit »Judas« und dem diesjährigen Gewinner David Grossman mit »Kommt ein Pferd in die Bar«.

Kein & Aber
Hardcover: 192 Seiten, ca. € 20,-
E-Book: ca. € 15,99


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