Madarejúwa Tenharim/
Thomas Fischermann

Der letzte Herr des Waldes
Ein Indianerkrieger aus dem Amazonas
erzählt von der Zerstörung seiner Heimat
und den Geistern des Urwaldes

Madarejúwa von dem Stamm der Tenharim ist 19 Jahre alt, als Thomas Fischermann, Südamerika-Korrespondent der ZEIT, zum ersten Mal mit ihm spricht. Der junge Krieger nimmt den Gringo über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg immer wieder mit auf die Jagd in den Urwald, zu den Stammesältesten und zu traditionellen Festen. Aus den vielen Gesprächen und gemeinsamen Unternehmungen ist ein Buch gewachsen, in dem Madarejúwa stellvertretend für sein Volk und seine Jahrtausende alte Kultur spricht. Eine Kultur, die mit der gnadenlosen Abholzung des Amazonaswaldes in die entscheidende Phase ihres Überlebenskampfes eingetreten ist.

Zuerst kamen die Flugzeuge und dann die Traktoren, wann genau das war, weiß Madarejúwa nicht zu sagen. Aber die Planer der Transamazônica, die den ersten Teil des Transportweges durch den Amazonas in den 1980er-Jahren fertigstellten, haben keine Rücksicht auf Siedlungen und heilige Stätten der Tenharim genommen. Mit der Straße hielten die Zivilisationskrankheiten Einzug – Masern, Keuchhusten, Malaria, Lungenentzündung –, an denen ein Großteil des Volkes starb. Medizinische Hilfe in den 1980er-Jahren kam für die meisten von ihnen zu spät, 100 Stammesmitglieder überlebten.
Jetzt zählt der Stamm wieder an die 1000 Indianer, aber ihre Kultur, ihr Wissen und ihr Leben ist bedroht, denn Brasilien ist immer noch der größte Waldvernichter der Welt. Längst ist bekannt, dass Überschwemmungen und Dürrekatastrophen auf anderen Kontinenten ihre Ursache in der nicht mehr richtig funktionierenden Lunge unseres Planeten haben, aber die Macht des Geldes ist grenzenlos.
Madarejúwas Sprache ist so einfach wie weise. Was er dem Gringo Thomas Fischermann erzählt, lässt auf ein profundes Wissen über Jahreszeiten,Tiere und Pflanzen seines Stammesgebietes schließen. Aber mehr noch als das Wissen beeindruckt die tief empfundene und gelebte Einheit der Stammesmitglieder mit der Natur. Gejagt wird nur, was zum Überleben benötigt wird. Auch das Fett der Anaconda, das zu einem wirksamen Mittel bei Wundheilung verarbeitet wird, wird nur in dem Maß hergestellt, wie es für den Eigenbedarf benötigt wird. Und die Bäume Amazonies werden von den Tenharim seit Anbeginn der Welt geschützt.

Thomas Fischermann gibt in diesem Buch den Tonfall des jungen Kriegers, seine lakonischen Bemerkungen und die sich in Nebensätzen offenbarenden Weisheiten so authentisch wieder, dass man die Geräusche des Dschungels im Hintergrund mitzuhören glaubt. Der ernsthaften Rede des jungen Mannes, der sich mit Bluetooth ebenso auskennt wie mit den traditionellen Gesängen seines Volkes, sei gewünscht, dass sie politisch wirksame Früchte der Erkenntnis trägt!

C.H.Beck
Hardcover: 205 Seiten, ca. € 19,95
E-Book: ca. € 15,99


DAS IST DRIN
eine Reise mitten in den
Urwald Amazoniens
das Plädoyer eines
Tenharim-Indianers
für einen sinnerfüllten
Umgang mit der Natur