Lars Mytting
Die Birken wissen's noch
Roman
Aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel

Wer die ersten Seiten von »Die Birken wissen’s noch« gelesen hat, wird diesen Roman nur ungern wieder aus der Hand legen. Das haben inzwischen viele Leser_innen bestätigt, die der Empfehlung auf der letzte Woche eingestellten Überraschungsseite gefolgt sind. Ein guter Grund, den Roman über einen längeren Zeitraum und an prominenter Stelle zu empfehlen. Denn es stimmt wirklich: Die Familiengeschichte von Edvard, der in Norwegen bei seinem Großvater aufwächst, weil die Eltern ums Leben gekommen sind, als er drei Jahre alt war, liest sich wie ein Krimi.

Mit dem Tod des Großvaters, der über alles sein beharrliches Schweigen gebreitet hat, kommen die ersten Hinweise, die Edvard nach Schottland führen. Dort hat Einar, der Bruder des Großvaters, auf der kleinen Insel Half Gruney in der Meerenge von Norwick gelebt und Särge geschreinert. Meisterwerke wie der, der für den Großvater über Jahre bereitstand. In Einars seit dessen Tod verlassener Werkstatt findet Edvard erste Hinweise, wo seine Eltern ums Leben gekommen sind: Zeitungsartikel aus Frankreich. Die Erinnerung an die Stimme seiner Mutter kehrt zurück, der Klang dieses sanften Französisch, in dem sie mit ihm sprach. Auf Half Gruney begegnet Edvard auch Gwen Leask zum ersten Mal, einer jungen, sehr eigenwilligen Frau, die in Aberdeen Betriebswirtschaftslehre studiert und auf diesem einsamen Fleck schottischer Erde ab und zu ein Cottage der Winterfinchs bewohnt. Den Winterfinchs gehört heute noch die Insel, auf der Einar gelebt hat. Gwen ist ohne Zweifel eine begehrenswerte Frau, aber neben der Anziehungskraft, die Edvard auch auf sie auszuüben scheint, ist da noch etwas anderes, ein Interesse an seinen Nachforschungen, etwas, das Gwen schließlich zu einer potentiellen Gegenspielerin macht. Denn Edvard findet Hinweise auf ein Erbe, kunstvolle Tischlerarbeiten, die wahrscheinlich ein Vermögen wert sind.

Edvards Familiengeschichte, die das ganze 20. Jahrhundert mit seinen Kriegen und Völkerbewegungen durchschreitet, enthüllt viel von den Sehnsüchten, den Ängsten, der Gier der Menschen. An Ende steht die Erkenntnis, dass es schlimmer ist zu schweigen, als die eigenen Fehler einzugestehen – vor sich und anderen. Denn dann werden sie zu fast unüberwindbaren Hindernissen. Edvard schafft es, er macht Frieden mit allem, was er erfahren hat, und das ist nicht wenig.

Insel
Hardcover: 516 Seiten, ca. € 24,95
Taschenbuch: ca. € 12,-
E-Book: ca. € 11,99
Norwegische Originalausgabe als E-Book: ca. 149,- norw. Kronen

 
DAS IST DRIN
Ein junger Mann
auf der Suche
nach der Wahrheit
spannend, bewegend,
versöhnlich
 
 

AUTOR/IN
Biographie