Katharina Pennoyer/Initiative 9. November (Hg.)
Nachrichten aus dem gelobten Land
Die Briefe der Anuta Sakheim


Sie war die erste Taxifahrerin in Palästina: Die Jüdin Anuta Sakheim floh 1933 nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes mit dem 10-jährigen Sohn von Berlin über Triest und Jaffa nach Tel Aviv, um sich dort von ihrem letzten Geld ein Auto und eine Fahrlizenz zu kaufen. Doch in der neuen Heimat bestimmten schon damals gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen der arabischen und der jüdischen Bevölkerung den Alltag. 1938 plant Anuta Sakheim ein weiteres Mal die Flucht und schickt ihren mittlerweile fast 15-jährigen Sohn Ruben mit der MS Conte di Savoia nach New York zu ihrer Schwägerin. Dem Jungen rettet sie damit das Leben. Anuta Sakheims Briefe sind das Kostbarste, was dem Sohn von seiner Mutter geblieben ist.

Als Anuta Sakheim ihrem Sohn auf der Reling des Schiffes im Hafen von Haifa Adieu gewinkt hat, fährt sie bei einbrechender Dunkelheit schnell zurück nach Tel Aviv. Eine Frau allein auf der Straße, das ist gefährlich in diesem Land, das seit der Balfour-Deklaration von Gewalt überzogen wird. Sie wird angehalten und abgestraft, das wenige, bitter verdiente Geld! Es bleibt kaum etwas zum Leben, denn in dieser Gefahrenzone will keiner mehr im Taxi chauffiert werden. Und die wenigen europäischen Juden, die im Hafen noch an Land gehen dürfen – ganze 15.000 Personen im Jahr ab1939 – sie haben oft ihr letztes Geld für die Schiffsreise ausgegeben. Tragische Szenen, tausende Menschen, die zurückgeschickt werden in den sicheren Tod: Auch davon erzählt Anuta Sakheim in ihren Briefen an den Sohn und die Schwägerin. Doch niemals spricht sie von der eigenen Erkrankung, dem Krebs, den Schmerzen, denen sie ausgesetzt ist und trotz derer sie arbeiten muss, immer in der Hoffnung, irgendwann zu ihrem Sohn nach Amerika reisen zu können.

Im August 1939 erhält der Sohn seinen letzten Brief an die Mutter ungeöffnet mit dem Vermerk »Deceased« – verstorben – zurück. 1944 nimmt er als George Sakheim an der Landung der Alliierten in der Normandie teil. 1945 bewirbt er sich freiwillig als deutschsprachiger Übersetzer für die Nürnberger Prozesse und kehrt erst 1946 in die USA zurück. Die Briefe der Mutter, nicht nur Zeugnisse ihrer unbedingten Liebe, sondern auch außergewöhnliche historische Dokumente, haben seinen Lebensweg mitbestimmt.

weissbooks
Halbleinen: 12 s/w-Fotos, 94 Seiten, ca. € 14,-


DAS IST DRIN
Zeitzeugnisse aus Palästina
in den 1930er-Jahren
 geschrieben von
einer mutigen Frau
authentisch, bewegend, hellsichtig
 
 
 

AUTOR/IN
Biographie